Meditation für Menschen, die nicht stillsitzen können
Warum ein überreiztes Nervensystem manchmal andere Wege braucht
Viele Menschen sagen von sich, dass sie nicht meditieren können. Sie werden unruhig. Ihr Kopf wird lauter statt leiser.
Der Körper will sich bewegen. Stillzusitzen fühlt sich eher stressig als entspannend an.
Wenn Meditation nicht beruhigt, sondern überfordert
Klassische Meditation wird häufig mit Stille verbunden. Sitzen. Augen schließen. Atem beobachten. Gedanken ziehen lassen.
Für ein überreiztes Nervensystem kann genau das zu viel sein.
Innere Unruhe, Gedankenkreisen oder der Drang, sich zu bewegen, sind keine Zeichen von Unfähigkeit. Sie sind Hinweise darauf, dass das System zu stark unter Spannung steht.
Wenn äußere Reize wegfallen, tritt das hervor, was vorher durch Aktivität, Ablenkung oder Funktionieren in Schach gehalten wurde.
Ein überreiztes Nervensystem braucht zuerst Orientierung
Ein Nervensystem, das dauerhaft unter Stress steht, ist nicht bereit für Rückzug nach innen. Es ist auf Wachsamkeit eingestellt.
Stille bedeutet dann nicht Sicherheit, sondern
Kontrollverlust. Der Körper sucht Halt. Bewegung. Reize. Orientierung im Außen.
Nicht, um Meditation zu sabotieren, sondern um sich zu schützen.
Warum Stillsein nicht immer der richtige Einstieg ist
Viele Meditationsanleitungen setzen voraus, dass das Nervensystem bereits regulieren kann. Dass es möglich ist, Spannung wahrzunehmen, ohne davon überrollt zu werden.
Ist diese Fähigkeit noch nicht ausreichend vorhanden, kann Stillsein Druck erzeugen. Der Versuch, ruhig zu werden, verstärkt dann die Unruhe. Das führt bei vielen Menschen zu Frustration und dem Gefühl, Meditation sei nichts für sie.
Meditation darf sich dem Nervensystem anpassen
Meditation ist kein starres Format. Sie ist eine Praxis der bewussten Lenkung von Aufmerksamkeit.
Und Aufmerksamkeit kann auf viele Arten geübt werden.
Für Menschen mit überreiztem Nervensystem sind oft andere Zugänge hilfreicher als stilles Sitzen.
Zum Beispiel
- geführte Meditationen mit Stimme
- Meditation in Bewegung
- Gehmeditation
- kurze Sequenzen statt langer Sitzphasen
- Meditation mit offenen Augen
- Fokus auf äußere Orientierung statt nach innen
All diese Formen können regulierend wirken, ohne das System zu überfordern.
Bewegung ist kein Scheitern an Meditation
Der Wunsch, sich zu bewegen, ist keine Ablenkung. Er ist eine Regulationsstrategie deines Unterbewusstseins.
Wenn der Körper Spannung abbauen will, darf er das.
Meditation beginnt nicht dort, wo Bewegung aufhört, sondern dort, wo Wahrnehmung entsteht.
Auch langsames Gehen, Dehnen oder rhythmische Bewegung können meditative Zustände ermöglichen.
Wichtig ist, dass du bewusst wahrnimmst, was gerade da ist. Auch ein Wahrnehmen dessen, dass es dir gerade schwerfällt ist ein guter Anfang.
Der wichtigste Perspektivwechsel
Meditation ist kein Test. Kein Leistungsbeweis. Keine Disziplinübung.
Sie ist ein Angebot an das Nervensystem.
Wenn dieses Angebot sich bedrohlich anfühlt, braucht es Anpassung, nicht mehr Anstrengung.
Viele Menschen erleben erst dann echte Entlastung durch Meditation, wenn sie aufhören, sich in eine Form zu zwingen, die nicht zu ihrem aktuellen Zustand passt.
Erst wenn der Körper sich orientieren darf, wenn Bewegung erlaubt ist, wenn Stille dosiert wird, kann sich Regulation einstellen.
Meditation darf leise sein, aber sie darf auch bewegt, geführt und unperfekt sein.
Manchmal ist genau das der Einstieg, den es braucht.
Meditation scheitert selten an dir.
Meist scheitert sie an einer Form, die nicht zum Zustand deines Nervensystems passt.
Wenn du magst, schau dir gerne meine verschiedenen Meditationsformen an, komm zum kostenlosen Meditationskreis oder zum Workshop "Meditation für Menschen, die nicht stillsitzen können".
